Warum wir Gewohnheiten nicht einfach ablegen können

Manchmal braucht der Hausmeister keine Kündigung, sondern eine neue Aufgabe.
Kennst Du das Gefühl, eine Gewohnheit endlich loswerden zu wollen und trotzdem immer wieder bei ihr zu landen?

Vielleicht greifst Du in stressigen Momenten automatisch zum Handy.
Vielleicht öffnet sich der Kühlschrank, obwohl Du eigentlich keinen Hunger hast.

Oder Du nimmst Dir immer wieder vor, etwas anders zu machen und bemerkst nach einiger Zeit, dass sich doch wieder alles wie früher anfühlt.
Viele Menschen erleben das als persönliches Versagen.
Doch vielleicht lohnt sich ein anderer Blick darauf.


Gewohnheiten entstehen nicht ohne Grund
Unser Gehirn entwickelt Gewohnheiten nicht, um uns das Leben schwer zu machen.
Ganz im Gegenteil.
Sie helfen uns dabei, mit bestimmten Situationen umzugehen, Energie zu sparen oder uns kurzfristig zu entlasten.

Deshalb steckt hinter einer Gewohnheit häufig mehr als nur Routine.
Oft erfüllt sie eine Aufgabe, die einmal wichtig war.


Der Hausmeister
Stell Dir vor, in einem Unternehmen arbeitet seit zwanzig Jahren derselbe Hausmeister.
Er war jeden Tag pünktlich.
Nie krank.
Nie im Urlaub.
Wenn irgendwo ein Problem auftauchte, war er sofort zur Stelle.
Er hat seine Aufgabe zuverlässig erfüllt und dafür gesorgt, dass alles funktioniert.
Nun verändert sich das Unternehmen.
Die Aufgaben werden andere.


Würdest Du einen Mitarbeiter, der zwanzig Jahre lang so engagiert gearbeitet hat, einfach vor die Tür setzen?
Wahrscheinlich nicht.
Du würdest Dich zuerst fragen, ob seine Fähigkeiten vielleicht an anderer Stelle gebraucht werden.
Vielleicht bekommt er eine neue Aufgabe.
Eine, die besser zu den heutigen Anforderungen passt.


Genau so sehe ich viele Gewohnheiten
Viele Gewohnheiten haben über Jahre eine wichtige Aufgabe übernommen.
Sie haben beruhigt.
Abgelenkt.
Sicherheit gegeben.
Oder geholfen, schwierige Situationen auszuhalten.

Deshalb verschwinden sie oft nicht einfach dadurch, dass wir sie bekämpfen.
Denn aus Sicht unseres Gehirns haben sie ihren Job immer zuverlässig erledigt.
Warum sollte es also plötzlich auf sie verzichten?


Veränderung braucht eine Alternative
Nachhaltige Veränderung entsteht deshalb häufig nicht dadurch, dass wir einen alten "Hausmeister" entlassen.
Sie entsteht dort, wo wir verstehen, welche Aufgabe er bisher übernommen hat und gemeinsam eine neue Lösung finden.

Wenn das gelingt, muss die alte Gewohnheit ihren bisherigen Job oft gar nicht mehr übernehmen.
Nicht, weil sie besiegt wurde.
Sondern weil sie nicht mehr gebraucht wird.


Ein neuer Blick darauf
Vielleicht ist Deine Gewohnheit gar nicht Dein Gegner.
Vielleicht hat sie über viele Jahre versucht, Dir zu helfen.

Wenn wir beginnen, diese Aufgabe zu verstehen, entsteht oft die Möglichkeit, neue Wege zu entwickeln.
Nicht gegen einen Teil von uns.
Sondern gemeinsam mit ihm.


Ein Impuls zum Mitnehmen
Vielleicht musst Du Deine Gewohnheiten gar nicht bekämpfen.
Vielleicht lohnt es sich zuerst, eine andere Frage zu stellen:
Welche Aufgabe hat diese Gewohnheit bisher für mich übernommen?
Denn manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer Kündigung.
Sondern mit einer neuen Aufgabe.


Vielleicht beginnt genau hier der nächste Gedanke
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